KONZERTREVIEW

28.09.2004 - Planet Music Wien, Sharon Next/ Say Y/ Cephalgy/ Blutengel

Dienstag. 28. September 2004. Planet Music. Gleich vier Bands gaben an diesem Abend dem Wiener Publikum ein Stelldicheingeben. Allen voran Blutengel, verstärkt durch die beiden deutschen Supports Say Y und Cephalgy. Eröffnet wurde der Abend aber von den Wiener Lokalhelden Sharon Next. Eines schon mal vorweg. Ohne Sharon Next wäre der Abend wohl mehr als eine herbe Enttäuschung geworden.

Helmut Prix, Michael Ruin, Gerd Hall und Anton Richter sorgten gleich zu Beginn für den typischen Sharon Next-Sound. Irgendwie an Crime & The City Solutions erinnernd, irgendwie an Rowland S. Howard. Ich fühlte mich gleich wohl in dieser vertrauten Gegend, die umschlungen war von diesen breiten Sharon-Next Sounds, die immer wieder Erinnerungen an Spasmodique (kennt die eigentlich noch jemand?) oder alte Gun-Club-Nummern wachriefen. Doch mein Seelenfriede war bald dahin und der wahre Seelenschmerz näherte sich mit großen Schritten: Say Y betraten die Bühne. Nun ja. Im Handumdrehen war ich wieder im Jahre 2004, wo Bands wie Say Y oder die darauf folgenden Cephalgy aus dem Boden sprießen wie Pfifferlinge nach einem warmen Electro-Hype-Regen. Folgt Say Y noch den immer leiser werdenden Rufen der Synthiepop-Sirenen (zugegeben mit passablen Achziger-Jahre-Elementen) so setzt Cephalgy nur noch auf platten Electro. Zugegeben, sowohl Say Y und Cephalgy sind auf CD streckenweise sehr fein zu hören, live jedoch waren sie eher enttäuschend.

Die Hoffnung allerdings, die stirbt zuletzt. Blutengel. Man kann ja sagen, was man will. An Blutengel kommt man nicht vorbei. Die einen beschwören Blutengel mit Hasstiraden, die anderen verehren sie beinahe himmlisch. Und auch ich bekenne mich offen als Blutengel-Fan. Und das Konzert von Chris Pohl und Co war sicherlich nicht gänzlich schlecht, vor allem stimmlich hielt Pohl, was er versprach. Aber dennoch: Das Konzert war einfach langweilig. Alles war perfekt inszeniert, jede Bewegung einstudiert und tausendmal erprobt. Was fehlte, war die Spiellaune, die Lust an der Musik. Was fehlte war der Funke, der nicht überspringen wollten; weder auf das Publikum noch auf die Band selbst. Blutengel waren somit quasi entzaubert und hinterließen den schalen Geschmack einer inszenierten Peinlichkeit. Schade eigentlich. Alles in allem ein trüber Abend, der am nächsten Arbeitstag ein klammes Gefühl hinterließ.

Ohne Sharon Next wäre der Abend wohl eine herbe Enttäuschung gewesen. Schade eigentlich.

(Hohenstaufen - www.schwarzes-wien.at)

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