Ein Konzert jagt das andere, und schon stehen wir wieder im Planet Music, wo an diesem Tage die amerikanische Goth/Electro Band "The Crüxshadows" ihr Konzert im Rahmen der "Definitely Wishfire World Tour 2002" starten sollten. The Crüxshadows? Wer ist das bitte? ...Dies dürften sich letztendlich nicht all zu wenige gefragt haben, denn von einem vollen Planet Music konnte an diesem Abend wohl kaum die Rede sein. Waren es 80, 90 oder gar 100 Besucher? Wie auch immer, es waren auf jeden Fall erstaunlich wenig, was jedoch der Stimmung dieses Abends in keinerlei Hinsicht ein Hindernis darstellen sollte.
Kurz vor 21:00 Uhr ging es dann auch schon los mit Sharon Next, die als Support Band für The Crüxshadows wirkten. Die lokale Band rund um Sänger Helmut Prixs sollte mittlerweile schon den meisten ein Begriff sein, zumal man sie schon auf etlichen Auftritten in heimischen Gefilden erblicken durfte. Und ich muss wirklich sagen, sie werden von Auftritt zu Auftritt immer besser. Erschien mir Helmut bei früheren Konzerten noch ein wenig unsicher in seiner gesangstechnischen Darbietung, konnte er mich an diesem Abend weithingehend überzeugen. Deutlich selbstbewusster und reifer wurde den Besuchern Synthpop vom Feinsten geboten, quer durch das Schaffenswerk von Sharon Next. Sowohl neuere als auch ältere Lieder wie "Gravity", oder auch die etwas ruhigere Ballade "Wer Bist Du?" wurden geboten. Mal langsamer und depressiver, dann wieder schneller und tanzbarer mit eingängigen Melodien. Nach insgesamt 50 Minuten Spielzeit und einer Zugabe von zwei Liedern verließen dann die 4 Jungs die Bühne. Meiner Meinung nach der beste und überzeugendste Auftritt, den sie in ihrer Schaffenszeit hingelegt haben!
Schnell zur nahe gelegenen Tankstelle zwecks Zigarettenkaufs und wieder zurück, schon konnte es weitergehen. Kurz vor 22:00 Uhr, Amerikas Top Goth-Electro Act The Crüxshadows betraten die Bühne. Gilt die Band aus dem sonnigen Florida in unseren Kreisen eher noch als Newcomer, können sie selber schon auf ein knapp 10 Jähriges Bestehen zurückblicken, was sich nicht zuletzt in der Professionalität ihres Auftrittes widerspiegelte. Mit neuer EP "Tears" im Gepäck verstanden sie es wie keine andere Band, das eher spärlich erschienene Publikum schon nach wenigen Minuten in ihren Bann zu ziehen. An ihrer Qualität als Liveband ließen die vier Amerikaner jedenfalls keine Zweifel aufkommen. Sänger Rogue (Otto in früheren Jahren?!? :-)) verstand es einmalig das Publikum zu begeistern: Mit einem mobilen Headset und Taschenlampen bewaffnet lief er energiegeladen auf der Bühne herum, zumeist jedoch befand er sich irgendwo inmitten der Fans, um mit ihnen zu singen oder gar zu tanzen. Sei es auf der Bühne, im Publikum, oder auf der Bar im letzten Eck des Planet Music, Rogue wusste in jeder Sekunde dieses Auftrittes die Blicke des Publikums auf sich zu ziehen und zu fesseln. Sollte man ihn wirklich einmal aus den Augen verloren haben (und das war bei seinem Engagement gar nicht so ungewöhnlich), hatte man noch immer das Vergnügen das Treiben auf der Bühne zu bestaunen: Während Chris Brantley am Keyboard und die zwei Banddamen an Gitarre und Violine ihr Können zum Besten gaben, bewegten sich zwei Tänzerinnen (eine davon war Rogue's Freundin) links und rechts schwungvoll zu den treibenden Beats. Dies forderte nicht zuletzt die Blicke mindestens eines sabbernden Gastes (gell Manfred *g*). Zwischendurch wurden auch noch ausdrucksstark ein Gedicht rezitiert, ein beeindrucksvolles Violinensolo von Bandfrau Rachel dargeboten, oder zur allgemeinen Freude des Publikums sogar holprig ein Paar Sätze auf Deutsch aufgesagt. Kurz vor 23:00 Uhr verließen sie dann die Bühne, um, wie es sich für anständige Band gehört, noch eine Zugabe zu geben. Es folgten noch ein bis zwei Lieder, ehe es zum krönenden Abschluss kam: gut ein Dutzend des bereits ohnehin begeisterten und beinahe hypnotisierten Publikums wurden von Rogue auf die Bühne gezogen, um dort noch ein wenig mit der Band abzufeiern und zu tanzen. Da ist mir nur eines eingefallen: "Leeeeet the sun shiiine..." Ach Amerika, wir lieben dich! :-) Auch nach dem Konzert standen The Crüxshadows den Fans noch lange für Fragen und Autogrammwünsche zur Verfügung, was vom Publikum auch ausgiebig ausgenutzt wurde.
Fazit: "Old School Gothic Rock", wie ich es in einigen Zeitschriften lesen durfte, war es mit Sicherheit nicht. Zu elektronisch und Bum Bum geladen äußerte sich Ihre Musik. Eher erschienen sie mir als eine Mischung aus Anfangs-Pitchfork, VNV Nation und anderen Bands. Nichts desto Trotz ein sehr gutes Konzert, das sich in erster Linie durch die besonders engagierte Darstellung, Ausdruckskraft als auch Sympathie des Frontman Rogue äußerte. Man merkte die Band hatte Spaß und Freude am Spielen, was sich nicht zuletzt im Publikum selber wieder fand.
Text: Fido / [-noe-] (www.Gothic.AT)